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Was bedeutet „politische Aufstellung“?
Durch die räumliche Darstellung komplexer politischer Situationen können Entwicklungen sichtbar gemacht und alternative Perspektiven eröffnet werden.
Jörgen Klußmann ist Studienleiter an der Evangelischen Akademie im Rheinland und seit über 25 Jahren in der internationalen Konfliktarbeit tätig.
Drei Fragen an Jörgen Klußmann
Was bedeutet „politische Aufstellung“?
Aufstellungen sind ursprünglich eine Methode der Familientherapie. Dabei wird das Familiensystem – also alle Mitglieder der Familie – durch Stellvertretende aus der Gruppe „aufgestellt“. So entsteht eine Konstellation, in der Probleme und versteckte Dynamiken aufgedeckt und bearbeitet werden können. Inzwischen hat sich die Aufstellungsarbeit weiterentwickelt und findet auch in der Politikberatung und Konfliktarbeit Anwendung.
Politische Konflikte weisen auf konkurrierende Interessen, Vorstellungen und Wahrnehmungen hin und bringen ungeklärte Regeln und instabile Hierarchien zum Vorschein. Ein Konflikt entsteht, wenn sich beim Aufeinandertreffen der Kontrahenten eine Seite bedroht fühlt. Dabei ist es irrelevant, ob eine reale Bedrohungslage existiert oder nicht. Entscheidend ist, dass sich eine Seite real bedroht fühlt und wie sie darauf reagiert. Normalerweise reagieren Menschen bei Bedrohung mit dem Flucht- oder Kampf-Modus.
In politischen Konflikten geht es darüber hinaus um die Machtfrage. Anders als in zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen wird hier meist gezielt Angst geschürt und Druck ausgeübt. Politische Aufstellungen und Konfliktaufstellungen helfen, die Bedürfnisse hinter dem Machtspiel und die Konsequenzen daraus sichtbar zu machen. Dabei werden die unterschiedlichen Perspektiven zum Vorschein gebracht. Entscheidend ist, dass es dabei zum Austausch unterschiedlicher Standpunkte kommen kann, ohne dass sich jemand bedroht fühlen muss.Müssen bei dem Besuch einer solchen Veranstaltung alle Teilnehmenden aktiv sein?
Nein, natürlich nicht. Zu Anfang wird eine Einführung in das Thema gegeben. Dann können Freiwillige sich als Stellvertretende im Raum aufstellen. Sie werden dann zu ihren Einstellungen befragt.
Das Publikum kann die Funktion einer beobachtenden, kritischen Öffentlichkeit einnehmen, die den Prozess verfolgt und im Anschluss Rückmeldungen geben kann.Was bringt das?
Aufstellungen dienen generell der Transparenz und Sichtbarkeit von problematischen Situationen. Sie machen den Weg für neue Perspektiven frei. Dabei entsteht ein tieferes Verständnis für die Zusammenhänge der politischen Entwicklungen und die damit verbunden Folgen für die Betroffenen. Ziel der Arbeit ist es also, Konfliktdynamiken besser zu verstehen und Wege zur Deeskalation aufzuzeigen.
Zum Referenten:
Jörgen Klußman absolvierte bei Dr. Wilfried Nelles eine Ausbildung zur Familienaufstellung von 1999– 2001 und wandte die Methode in der Konfliktarbeit erstmals 2003 in Nepal bei einem Seminar über Kriegsberichterstattung an. Danach arbeitete er regelmäßig damit in verschiedenen Konfliktregionen u.a. in Nepal, Sri Lanka, Indonesien, Afghanistan und Myanmar.
Seit 2012 arbeitet er wieder in Deutschland und leitet neben politischen Konfliktaufstellungen auch Aufstellungsarbeit zu persönlichen Problemen und Konflikten.TERMINE
Konfliktdynamiken im Nahen und Mittleren Osten
Systemisch-phänomenologische Konfliktarbeit
Di, 30.06.2026, 19:00 bis 21:30 Uhr, Haus der Evangelischen Kirche, BonnAuf welche Weise kann die Methode der Konfliktaufstellung helfen, die Dynamiken des Konflikts im Nahen und Mittleren Osten verständlicher zu machen und Ansätze zur Deeskalation zu entwickeln?
Referent: Studienleiter Jörgen Klußmann.

